Mami auf Probe – Schülerinnen des St.-Ursula-Gymnasiums erprobten sich als künftige Mütter


Neheim. Einmal ausprobieren, wie das Leben mit einem Baby ist – so lautete das aktuelle Thema des Erziehungswissenschaft-Kurs der Jahrgangsstufe 9 am Neheimer St.-Ursula-Gymnasiums. Durchgeführt wurde das Projekt „Babybedenkzeit“ von Kerstin Brechmann, Dipl. Sozialpädagogin vom  Kinder- und Jugendzentrum „KiJu“ Neheim, welches gleichzeitig auch das erste Kooperationsprojekt der beiden Träger war. Die notwendigen Utensilien stellte dafür die Stadt Arnsberg zur Verfügung, die das Projekt schon einige Male an anderen Arnsbergern Schulen durchgeführt haben.

Nachdem der Kurs des Gymnasiums bereits einen Babysitter-Führerschein bei ihrer Lehrerin Frau Meesker im Rahmen des Unterrichts gemacht hat, wollten sich die Schülerinnen nun mit den jüngsten Kindern beschäftigen. Ein Baby hat viele Bedürfnisse – es schreit, will gefüttert oder gewogen werden, muss aufstoßen, nörgelt und auch die Windel muss gewechselt werden. Dazu ist es wichtig, dass  man auch die richtigen Handgriffe kennt, um das Baby nicht zu verletzen. Doch was will ein Baby überhaupt, wenn es schreit? Wie stressig ist es, Mutter zu sein und wie sehr schränkt es die jungen Frauen auch in ihrer Freiheit ein? All das waren Fragen, die die acht Teilnehmerinnen des Kurses sich zu Beginn stellten. Somit meldeten sie sich freiwillig zum Projekt, welches über die schulfreien Tage an Pfingsten lief.

Eingeläutet wurde das Elternpraktikum mit einem Besuch in der Hebammenpraxis Seidel. Hier wurden die Jugendlichen über den weiblichen Zyklus und das Thema Schwangerschaft und Geburt informiert. Die Erfahrungen der Hebammen, machten die Infos besonders anschaulich und verständlich. Anschließend lernten die Mädchen das wichtige Handling mit Säuglingen beim wickeln, hochnehmen und füttern. So gut gerüstet, stand am nächsten Tag die Geburtsstunde an und Chantalle, Lukas, Manuel, Zoe, Louise und Justin erblickten für fast 5 Tage das „Licht der Welt“. Die Babys sind spezielle Simulatoren, die mit unterschiedlichen Tagesabläufen programmiert werden können. Die Tagesabläufe sind denen echter Säuglinge nachempfunden, so kommt es auch vor, dass ein Baby drei Stunden in der Nacht quengelt und schreit. Die Mädchen bekommen einen ID-Chip, mit dem sie sich bei „ihrem Baby“ zu erkennen geben können. Schreit es, muss herausgefunden werden, welches Bedürfnis es hat – und diesem muss dann natürlich nachgekommen werden. Im KiJu-Babyshop konnten die Teilnehmerinnen sich noch mit Babykleidung und anderen notwendigen Dingen ausstatten. Ein inne liegender Computer zeichnet die Bedürfnisse des Babys und das Reagieren der „Mutter“ auf – so kann später eine detaillierte Auswertung stattfinden.

Die Schülerinnen haben alle das Elternpraktikum durchgehalten und mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen. Einige waren sogar etwas traurig, „ihr Baby“ wieder abgeben zu müssen. Doch sie stellten auch fest, dass man als Mutter eines Säuglings in seiner Freizeitgestaltung schon eingeschränkt ist und ein Baby ein Fulltime-Job ist. Gerade als Jugendliche mit Kinderwagen wird man in der Öffentlichkeit auch oft „schief angeguckt“. Diese Reaktionen waren für viele im Rahmen des Projektes zwar belustigend, doch versetzt man sich in „echte“ junge Mütter, sei das doch sehr unangenehm und verurteilend. Die Nächte seien schon auch anstrengend gewesen, da waren die vier Teilnehmerinnen, die als „Päärchen“ mitgemacht haben, schon im Vorteil. Kann man sich die Arbeit mit einem Baby teilen, ist die Belastung nicht ganz so groß.

Alle waren sich einig: Mutter sein ist sehr schön und das Projekt eine tolle Erfahrung, aber zuerst soll die Schule und eine Ausbildung absolviert werden, und dann ein Kind – auch zur eigenen Entlastung – nach Möglichkeit in einer Familie mit Vater und Mutter aufwachsen können.

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Veröffentlicht von: Jörg Hömberg am 27. Mai 2010 und wurde einsortiert unter:
Arnsberg, HSK, Südwestfalen.
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